Auf Amazon verkaufen: Voraussetzungen, Kosten und die ersten Schritte für Unternehmen
Um als Unternehmen auf Amazon.de zu verkaufen, brauchst du ein angemeldetes Gewerbe oder eine eingetragene Firma, ein Verkäuferkonto (für Marken fast immer der Tarif „Professionell“ für 39 € zzgl. USt. im Monat), Ausweis-, Bank- und Kreditkartendaten sowie die Pflichtregistrierungen für dein Produkt, etwa LUCID nach dem Verpackungsgesetz. Danach legst du Listings an, entscheidest zwischen FBA und Eigenversand und baust Sichtbarkeit über Amazon SEO und Werbung auf.
Seller oder Vendor: Zwei Wege auf Amazon
Als Seller verkaufst du selbst an Endkunden: Du legst Preise fest, steuerst Bestand und Werbung und zahlst dafür Gebühren. Als Vendor verkaufst du als Lieferant an Amazon, und Amazon verkauft weiter. Vendor ist nur auf Einladung möglich.
Für die meisten Marken und Hersteller ist das Seller-Modell der Einstieg, weil es mehr Kontrolle über Preis und Marke gibt. Die Unterschiede im Detail findest du im Vergleich Amazon Vendor vs. Seller.
Voraussetzungen: Was du für die Anmeldung brauchst
Die Registrierung läuft über Seller Central. Halte diese Unterlagen bereit, damit die Verifizierung nicht hängen bleibt:
- Gewerbeanmeldung bzw. Handelsregisterauszug deiner Firma
- Gültiger Personalausweis oder Reisepass der verantwortlichen Person
- Kreditkarte für die Abrechnung der Gebühren
- Geschäftskonto für die Auszahlungen
- Telefonnummer und Geschäftsadresse
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, falls vorhanden
- Bereitschaft für eine Identitätsprüfung, die Amazon häufig per Videocall durchführt
Voraussetzungen für deine Produkte
Nicht nur dein Konto, auch jedes Produkt muss bestimmte Anforderungen erfüllen. Fehlt etwas, sperrt Amazon Angebote im Zweifel – oft genau dann, wenn der Launch läuft.
- GTIN/EAN: in der Regel eine gültige Produktkennung von GS1; für eigene Marken ist unter Umständen eine GTIN-Befreiung möglich.
- Verpackungsgesetz: Registrierung im Verpackungsregister LUCID und Systembeteiligung. Amazon fragt die Registrierungsnummer für Verkäufe in Deutschland ab.
- Elektro- und Batteriegesetz: WEEE-Registrierung bei Elektrogeräten, Registrierung nach Batterierecht bei Batterien.
- Produktsicherheit (GPSR): Seit 13. Dezember 2024 braucht jedes Produkt eine verantwortliche Person in der EU, Herstellerangaben und Sicherheitsinformationen – auch im Listing.
- Kennzeichnungen: CE-Kennzeichnung, Inhaltsstoffe oder Textilkennzeichnung, je nach Produktgruppe.
- Marke: Für die Amazon Brand Registry brauchst du eine eingetragene oder angemeldete Marke, z. B. beim DPMA oder EUIPO.
Steuern und Rechtliches
Für den Verkauf in Deutschland brauchst du ein vollständiges Verkäuferprofil mit Impressum, AGB und Widerrufsbelehrung. Lagerst du über FBA auch in anderen EU-Ländern, brauchst du dort in der Regel eine eigene Umsatzsteuer-Registrierung. Für Fernverkäufe an Privatkunden im EU-Ausland nutzt du meist das OSS-Verfahren. Zusätzlich meldet Amazon Verkäuferdaten nach der DAC7-Richtlinie an die Finanzbehörden.
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Kläre die Details für dein Produkt mit einer Fachkanzlei oder deiner Steuerberatung.
Schritt für Schritt zum ersten Verkauf
So gehen wir mit Marken vor, die neu auf Amazon starten:
- 1. Marge prüfen: Rechne alle Amazon-Gebühren inklusive Werbung durch, bevor du Ware einkaufst.
- 2. Marke sichern: Marke anmelden und die Brand Registry beantragen – das schützt dein Listing und schaltet A+ Content, Markenshop und Vine frei.
- 3. Konto anlegen: Verkäuferkonto im Tarif „Professionell“ erstellen und die Verifizierung abschließen.
- 4. Listings bauen: Keyword-Recherche, Titel, Bullet Points, sieben Bilder und A+ Content. Wie das geht, zeigt die Anleitung zur Listing-Optimierung.
- 5. Versand festlegen: FBA für Prime-Kennzeichnung und weniger Aufwand oder Eigenversand für sperrige und langsam drehende Artikel.
- 6. Launch planen: erste Bewertungen über Amazon Vine, dann Sichtbarkeit mit einer sauberen PPC-Strategie.
- 7. Messen und nachsteuern: Conversion Rate, ACOS/TACOS und den Buy-Box-Anteil wöchentlich prüfen.
5 Fehler, die neue Verkäufer am meisten Geld kosten
Die meisten Probleme sehen wir nicht bei der Anmeldung, sondern in den ersten drei Monaten danach:
- Marge ohne Werbekosten kalkuliert – das Produkt verkauft sich, verdient aber nichts.
- Listing ohne Keyword-Recherche – das Produkt ist da, wird aber nicht gefunden.
- Zu viel Ware vor dem vierten Quartal eingelagert – die Lagergebühren fressen den Gewinn.
- Pflichtregistrierungen vergessen – Angebote werden gesperrt.
- Kontozustand ignoriert – Bestellmängel, verspätete Lieferungen oder Richtlinienverstöße gefährden das ganze Konto.
Lieber mit Unterstützung starten?
Wenn du den Start nicht allein stemmen willst, übernehmen wir als Amazon-Agentur aus Regensburg Setup, Listings und Werbung. Starte mit dem kostenlosen Marketplace Health Check oder buch dir ein Erstgespräch.
Häufige Fragen
Kann ich ohne Gewerbe auf Amazon verkaufen?
Gelegentlich gebrauchte Dinge aus dem Privatbesitz zu verkaufen, ist ohne Gewerbe möglich. Wer regelmäßig und mit Gewinnabsicht verkauft, handelt gewerblich und braucht eine Gewerbeanmeldung – unabhängig davon, welchen Tarif er bei Amazon wählt.
Was kostet es, auf Amazon zu verkaufen?
39 € zzgl. USt. im Monat im Tarif Professionell oder 0,99 € pro Verkauf als Einzelanbieter, dazu Verkaufsgebühren je Kategorie, bei FBA Versand- und Lagergebühren sowie Werbekosten. Die komplette Übersicht steht im Ratgeber zu den Amazon-Gebühren.
Wie lange dauert die Verifizierung bei Amazon?
Mit vollständigen Unterlagen meist wenige Tage. Fehlen Dokumente oder stimmen Angaben nicht exakt mit den Unterlagen überein, kann es deutlich länger dauern. Achte darauf, dass Namen und Adressen überall identisch geschrieben sind.
Brauche ich eine eigene Marke, um auf Amazon zu verkaufen?
Nein, du kannst auch fremde Marken verkaufen. Für eigene Produkte lohnt sich eine Marke aber fast immer: Erst mit der Brand Registry bekommst du Schutz vor fremden Änderungen am Listing sowie Zugang zu A+ Content, Markenshop, Sponsored Brands und Vine.
FBA oder Eigenversand – was ist besser?
FBA lohnt sich meist bei kleinen, schnell drehenden Produkten, weil Prime-Kennzeichnung und Amazon-Logistik Sichtbarkeit und Conversion steigern. Eigenversand ist oft günstiger bei sperrigen, schweren oder langsam drehenden Artikeln. Viele Marken nutzen beides.